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Jakob Arjouni

Hausaufgaben

Jakob Arjouni, der sich mit Romanen wie "Happy Birthday, Türke" oder dem zuletzt erschienen Buch "Idioten. Fünf Märchen" längst einen Namen gemacht hat, beschreibt in seinem neuen Roman "Hausaufgaben" das dramatisch verlaufende Wochenende des Gymnasiallehrers Joachim Linde.

Seit 20 Jahren unterrichtet dieser am selben Gymnasium, hält sich für einen guten Pädagogen und verleugnet dabei sein Scheitern in beruflicher und vor allem in Dingen in privater Hinsicht. Denn aus der einst lebenslustigen Ingrid, die er geheiratet hat, ist eine depressive Frau geworden, die sich immer wieder in die Klinik begeben muss. Seine 18jährige Tochter Martina hat vor einem halben Jahr einen Selbstmordversuch begangen und seinen Sohn Pablo, 19, auf den er eigentlich stolz sein könnte, verachtet er insgeheim als Schlappschwanz, weil er noch nie eine Freundin hatte.

Linde nun freut sich auf das anstehende lange Wochenende und auf seine schon lang geplante dreitägige Wanderung durch die Mark Brandenburg. Nichts scheint ihm im Weg zu stehen - die Frau in der Klinik, der Sohn auf Demonstration, die Tochter abgehauen nach Mailand - doch das Leben macht ihm einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Zunächst die letzte Deutschstunde, in der es ihm nicht gelingt, seine diskutierenden Schüler im Zaum zu halten, bis es zu antisemitischen Unterstellungen kommt, woraufhin eine erboste Mutter sogleich mit der Zeitung droht und man eine Lehrerkonferenz für den folgenden Montag einberuft. Pablo indessen hat erfahren, dass der Grund für den Selbstmordversuch seiner Schwester bei seinem Vater zu liegen scheint und schlägt diesen zusammen, so dass Linde den Notarzt kommen lassen muss. Zudem schreibt Ingrid von der Klinik aus eine Rundmail an Lindes Kollegen, in der sie ihnen eröffnet, dass ihr Mann seine eigene Tochter sexuell belästigt haben soll. Linde, der sich auch nach all dem Geschehenen in keiner Weise als Schuldigen sieht, ist weiterhin primär darauf bedacht, in allem korrekt zu erscheinen und bereitet eine Rede vor, die er am Montag halten wird. Ein Selbstplädoyer, in dem er lügt, verdreht und alles in dem Licht darstellt, in dem er die Dinge seit Jahren zu betrachten gewohnt ist. Die Schuld haben - natürlich - wieder mal nur die anderen.

"Hausaufgaben" also behandelt das Thema der Schuldzuweisung, womit Arjouni ein höchst lesenswerter Roman gelungen ist, der nachdenklich macht und das Phänomen "typisch Deutsch" beleuchtet. Sehr authentisch mit der Stimme eines Deutschlehrers geschrieben, erinnert das Buch dabei nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch sehr an die Schulzeit.

Christa Roßmann
4 **** bis 5 *****


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© 2004 Christa Roßmann, Harald Kloth
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